Wenn es nur noch ums Überleben geht

10 Mar, 2017 :: Willemstad, Curaçao

„Meine Mutter sagte mir: „Wenn du etwas willst, musst du dafür arbeiten, denn was du leicht bekommst, ist auch leicht wieder weg““, sagte ein Teilnehmer an einer Armutssimulation an Bord in Willemstad, Curaçao. Der junge Mann berichtete, wie der Rat seiner Mutter ihn davon abgehalten hatte, mit Drogen zu handeln oder auf andere illegale Weise an Geld zu kommen, während er in der Simulation ums Überleben rang.

Die Veranstaltung war für alle offen und wollte bei den Einheimischen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie es Familien geht, die im Teufelskreis der Armut feststecken. Die Teilnehmer wurden in Familien eingeteilt und sollten aus Zeitungspapier Taschen machen, mit deren Verkauf sie die Miete, medizinische Versorgung und Schulgeld bezahlen konnten. In jeder Runde der Simulation erlebten die Familien eine neue Herausforderung, von einem Wirbelsturm, der all ihre Zeitungen zerstörte, bis zu einem Angriff von Terroristen, vor denen sie aus ihrem Haus fliehen mussten.

Nach dem Rollenspiel unterhielten sich die Teilnehmer über ihre Reaktionen in bestimmten Situationen und es ging insbesondere darum, wie sie reagiert hatten, als Personen außerhalb ihrer Familie sie um Hilfe baten. „Eine Frau mit einem Baby kam zu mir“, berichtete ein junger Mann. „Ich wusste, dass meine Familie es schwer hatte und wir selbst sehr wenig hatten, aber in dem Moment ging es mir nicht um die Frau, sondern um das Baby.“

Ein anderer Mann erzählte, dass er normalerweise ruhig und gelassen reagiert. Während der Simulation ging es ihm dann aber nur darum, dass seine Kinder zur Schule gehen können, und das machte ihn ganz unsicher und führte zu unberechenbaren Situationen. „Einen Moment lief alles gut für meine Familie und im nächsten Moment kam jemand, stahl unsere Taschen und rannte weg“, erzählte der Mann. „Da kamen meine primitivsten Instinkte zum Tragen.“

Eine Frau berichtete, wie ihr Sohn ins Gefängnis kam, weil die Familie ihre Miete nicht bezahlen konnte. „Ich sagte meinem Mann, dass sie ihn ins Gefängnis gesteckt haben, aber er war zu beschäftigt mit Geld verdienen und hörte mir nicht einmal zu.“ Sie beschrieb, wie machtlos sie sich gefühlt hatte, als sie ums bloße Überleben rangen.

Das Rollenspiel zeigte den Männern und Frauen wie unberechenbar das Leben für Menschen sein kann, die in Armut leben. Mitarbeiter örtlicher Organisationen, die bedürftigen Familien helfen, berichteten, welche Hilfsangebote sie auf der Insel haben, so dass die Teilnehmer mit ihrem neu geweckten Bewusstsein jetzt auch selbst aktiv werden und Menschen in ihrer Umgebung helfen können.

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